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Freitag, 19. Dezember 2014 ***** 2 User Online
 

 

Dieses Interview entstand in Zusammenarbeit mit dem Radio-Kinomagazin Pumm & Behrmann im Radio Umland TV. Es wurde von Dennis Pumm per Telefon geführt. Weitere Infos zur Sendung findet auf www.pub-kinotipp.de.


Christoph Biemann wurde am 6. August 1952 geboren. Er ist einer der Hauptköpfe hinter der "Sendung mit der Maus", für die er seit 1989 mit seiner eigenen Firma Delta TV die bekannten Sachgeschichten produziert. Für seine Verdienste wurde Biemann mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter auch das Bundesverdienstkreuz.

PresseSau.de: Hallo Christoph, als Autor, Regisseur und Darsteller bist Du neben Armin Maiwald und Ralph Caspers einer der Moderatoren der bekannten Sendung mit der Maus. Ursprünglich trug die Sendung mit der Maus lediglich den Titel „Lach- und Sachgeschichten“. Wie kam es schließlich zur Umbenennung und dem Symbol der Sendung: der Maus?

Christoph Biemann: Also es hieß die „Lach- und Sachgeschichten für Fernsehanfänger“. In dieser Sendung wurden einzelne Filme hintereinandergehängt. Da gab es dann auch eine Bildergeschichte mit einer Maus, „Maus im Laden“ hieß die glaub ich, die ungefähr so aussah wie unsere Maus heute.

Da wurden dann Trickfilme gemacht und irgendwann wurde gesagt, Lach- und Sachgeschichten okay, ist ja nett, aber ein bisschen netter kann es schon sein. „Die Sendung mit der Maus“ als Titel ist ja auch nicht gerade kindertummelnd oder niedlich, sondern eben doch sehr sachlich. Aber mit der Maus kam dann eben etwas Kindliches dazu.

PresseSau.de: Wie entstand die Idee zur Sendung? Und was unterscheidet die Sendung von Anderen?

Christoph Biemann: Dazu muss man das Umfeld sehen, welches vor ungefähr 35 Jahren war. Da war nämlich Fernsehen für Kinder unter 6 Jahren verboten. Es gab wirklich ein Gesetz zum Schutze der Jugend. Dieses galt Vor allen für Kinos und wurde fürs Fernsehen übernommen, dass man erst ab 6 Jahren einen Film ansehen durfte. Nur die Kinder haben sich überhaupt nicht daran gehalten. Die haben dann von vorne bis hinten Fernsehen geguckt und kannten auch alle Werbespots in und auswendig.

Da waren auch die Mainzelmännchen sehr beliebt, die dann immer zwischen den Werbespots kamen. Gute Geschichten, toll fotografiert, kleine, kurze, prägnante Geschichten wie in den Werbespots und dazwischen Trickfilme. Die Idee zur Sendung mit der Maus war also ein bisschen geklaut aber für die Zeit war es neu und es hat sich eigentlich sehr bewährt.

PresseSau.de: Die Sendung mit der Maus, wie sie jetzt heißt, gibt es nun schon seit über 34 Jahren. In dieser Zeit ist bezüglich des Kinderfernsehens viel passiert. Wie bewertest Du diese Entwicklung und welche Sendung für Kinder kannst Du aus eigenen Erfahrungen besonders empfehlen? Von welcher rätst Du eher ab? Ausgeschlossen dessen, dass Du jetzt bei der Sendung mit der Maus beteiligt bist (lacht).

Christoph Biemann: Gut, da kann ich natürlich nicht aus meiner Haut aber natürlich hat sich da viel getan. Früher gab es für Kinder so gut wie gar nichts oder nur sehr, sehr betulichte Sachen wie z.B. Turnen oder Bastelstunden. Das hat sich natürlich sehr stark zum Positiven geändert.

Es gibt ein breites Angebot für Kinder von heute, natürlich nicht immer gut, wobei ich sagen muss, wenn ich es international vergleiche (und ich treffe mich öfters mit Kollegen im Ausland), dass die deutschen Kinder ein sehr gutes Kinderfernsehen haben. Natürlich gibt es so Sachen wie das Privatfernsehen, RTL z.B., die Stunden füllen die sie senden müssen.

PresseSau.de: ... wenn man da an die ganzen Manga-Serien denkt, die ja nun schon sehr angesagt sind ...

Christoph Biemann: Das ist nun schon wieder vorbei. Das wird auch von den Eltern abgelehnt. Manchmal schreiten Eltern ja doch noch ein (lacht), wo sie dann sagen, komm, dass ist jetzt wirklich Mist und das muss du nicht gucken. Es gibt bessere Sachen zu sehen und das ist auch eine der Aufgaben der Sendung mit der Maus, einfach eine Alternative darzustellen und einen Qualitätsmaßstand zu setzen, dass es eben anders gehen kann.

PresseSau.de: Die Maus kommt jede Woche sonntags um 11:30 Uhr in der ARD. Was passiert bis dahin alles in der Entstehung einer Sendung? Wie viele Stunden vergehen bis eine Sendung letztendlich steht? Wie viele und welche Personen sind mit der Arbeit an einer Sendung beschäftigt?

Christoph Biemann: Das sind gar nicht so viele. Was wir machen: Ich bin ja Produzent, Regisseur und Autor und hab eine kleine eigene Firma, die Filme für die Maus macht. Wir machen im Jahr 65 Minuten Film, dass sind in etwa 14-15 Beiträge. Armin Maiwald macht dann auch noch einmal vielleicht 20 Beiträge und ein paar andere auch noch. Dann kommt das in die Redaktion, welche sich die Filme anguckt und nach den Längen sieht. Jeden Dienstag setzt sich die Redaktion zusammen und entscheidet, wie die Sendung am Sonntag aussehen soll.

Dann wird der Ablauf der Sendung rumgeschickt. Am Donnerstag werden die Ansagen gemacht, die Sendung wird zusammengefahren. Dabei klemmt sich jemand praktisch die ganzen Beiträge unter den Arm und geht in den Schneideraum und fügt die Beiträge zusammen, die Mäuse dazwischen und dann wird der Vorspann geschnitten. Irgendwann kommen dann die Sprecher und sprechen den Vorspann, dies ist immer ein Deutscher und ein Ausländer oder eine Ausländerin mit zwei Sprachen, das ist am Freitag. Am Freitag wird noch die Videotext-Untertitelung für die Gehörgeschädigten gemacht.

PresseSau.de: Du wurdest in Ludwigslust geboren, lebst mit Deiner Familie in Köln, dem „Wohnort“ des WDR. Was sagen denn Deine beiden Kinder zu Deiner Fernsehpräsenz und Deinem Auftreten? Und welche Kindersendungen schauen die sich an? Schauen die denn schon mal die Maus?

Christoph Biemann: Gut, meine Tochter ist 36 Jahre, die guckt die Sendung mit der Maus aber auch noch, nur nicht so ganz regelmäßig, aber doch noch häufig. Mein Sohn ist 8 Jahre und guckt natürlich immer die Maus, weil ich es auch mit ihm gucke. Wir gucken die immer zusammen und manchmal klopft er mir auch auf die Schulter und sagt „Hast Du gut gemacht“ (lacht).

Meine Tochter ist aber auch sehr wichtig gewesen in der Vergangenheit. Die hat nämlich irgendwann gesagt, diese Sachgeschichten mit den Produktionsprozessen, wie irgendwas gemacht wird, fürchterlich langweilig sind. Das habe ich mir sehr zu Herzen genommen und hab mich dann bemüht, da irgendwelche Gags oder lustige Geschichten Drumherum zu machen. Diese Christoph-Figur geht eigentlich auf diesen Gedanken zurück, dass einfach ein bisschen lebendiger und lustiger zu machen.

PresseSau.de: In Deiner Figur als „Christoph“ in der Sendung mit der Maus sieht man Dich immer so ein bisschen als tollpatschiger Mann mittleren Alters. Gehörst Du denn selbst auch zu der Gruppe der tollpatschigen Personen oder ist es für Dich nur eine Rolle? Ist das gar nicht beabsichtigt, dass das so rüberkommt?

Christoph Biemann: Nein, dass ist schon beabsichtigt. Es ist im Prinzip eine Halbkind-Rolle, wo ich Dinge ausprobiere und auch stellvertretend Dinge mache, die Kinder nicht machen sollten. Das soll auch lustig sein. Jemand der alles weiß und alles kann, der ist nicht lustig.

PresseSau.de: Dass die Kinder aber auch sehen, ach guck, der weiß da auch nicht alles so genau.

Christoph Biemann: Ja, das ist ja bei Erwachsen auch normal, die geben es nicht zu, aber es ist so.

PresseSau.de: „Die Maus“ ist auch außerhalb Deutschlands ein riesiger Erfolg. Inzwischen läuft das Konzept der kleinen Einspieler in fast 100 Ländern der Welt und gehört damit wohl zu einem der erfolgreichsten deutschen Fernsehproduktionen. Was macht Deiner Meinung nach den Erfolg der Sendung aus?

Christoph Biemann: Es gibt jetzt seit kurzem in Japan Maus-Sendungen, die gehen eine Viertelstunde, was bei uns eine halbe Stunde ist. Da kommen dann zwei Sachgeschichten und eine Trickgeschichte vor. Was die Ausländer an der Maus fasziniert ist einfach ihre Ehrlichkeit und Geradlinigkeit (lacht); das ist irgendwie auch sehr deutsch. Das ist einfach sehr sorgfältig gemacht, schön erzählt und man muss auch sagen, dass die Leute, die an „Der Maus“ arbeiten, sehr viel Herzblut dareingeben und das auch noch nach den ganzen Jahren mit viel Liebe machen.

PresseSau.de: „Die Maus“ war eigentlich als eine Art Wissenssendung für Kinder gedacht, es zeigt sich aber auch, dass sie von immer mehr Erwachsenen angesehen wird, wo man ja denkt, dass die schon alles wissen. Wie erklärst Du diese Entwicklung, dass da auch viele Erwachsene hängen bleiben?

Christoph Biemann: Die Maus beantwortet fragen, die Erwachsene sich nicht mehr zu fragen stellen trauen. Das ist eigentlich das Geheimnis. Viele Erwachsene sehen das mit ihren Kindern und die Kinder denken dann irgendwann mit 10-12 Jahren, na ja das ist was für Kleine, das guck ich nicht mehr und die Erwachsenen bleiben dann noch dran und gucken das dann. Mit 18 kommen sie dann wieder, das wissen wir durch Untersuchungen.

PresseSau.de: Bereits als Kind wolltest Du Biologe werden. Damit hängt sicherlich auch das Interesse am Experimentieren zusammen, zu dem im Jahre 2003 auch ein Buch erschienen ist mit dem Titel „Christophs Experimente“. Wie kam es denn zu dieser Leidenschaft? Hat sich das immer weiterentwickelt?

Christoph Biemann: Experimentieren gehört zur Maus immer dazu. Um Dinge einfach klar zu machen, muss man Experimente zeigen. Wenn man so einen Film für die Maus gemacht hat, dann ist es halt vorbei und gezeigt worden und das Experiment sozusagen abgehakt. Und das fand ich irgendwie auch schade. Es gibt dann Lieblingsexperimente die total Klasse sind und das ist dann einfach so.

Da habe ich mir gedacht, dann sammle ich die mal. Dann habe ich aber dazu so viele Geschichten über Experimente oder das Experimentieren selber geschrieben, dass das Buch schon voll war (lacht) und die Experimente noch gar nicht drin waren. Das war eine spannende Geschichte und hat großen Spaß gemacht aber es ist ein ganz anderen Beruf Bücher zu schreiben.

PresseSau.de: Preisgekrönt ist „Die Maus“ vor allen durch die Art und Weise wie komplexe Themen und Vorgänge dargestellt werden. Geschichtliche Ereignisse wie das Alte Rom, die Bundestagswahlen aber auch schwierige Themen wie z.B. den Tod, was ist das eigentlich usw., wurden schon in der Sendung behandelt. Ist es schwierig, sich darauf vorzubereiten und das Ganze in den richtigen Kindermund zu fassen?

Christoph Biemann: Da muss man sich schon sehr damit beschäftigen, das kann man nicht mal so eben machen. Man muss sich selber damit auseinandersetzen und irgendwann ist man dann soweit zu sagen, okay, jetzt kann ich es machen.

PresseSau.de: Bekommt man da auch Hilfe von Fachleuten, wo man sagt, dass man Hilfe benötigt?

Christoph Biemann: Natürlich, das ist klar. Aber im Prinzip muss man es selber verarbeiten. Abschreiben gilt nicht (lacht). So was gibt es für Kinder ja auch nicht. Über Tod oder Experimente gibt es in der Form ja nichts für Kinder, was so ist, dass man es auch verständlich in ein Buch tun könnte.

PresseSau.de: Seit 2001 bist Du als Schirmherr des "Bundesverbandes herzkranker Kinder e. V." tätig. Wie genau sehen da Dein Engagement und die Unterstützung bei der Arbeit dieses Verbandes aus? Was waren die Beweggründe, die Schirmherrschaft zu übernehmen?

Christoph Biemann: Das ist dann in dem Moment ganz einfach, da wird man gefragt ob man das machen will. Da kann man nicht nein sagen. Ich schreibe ab und zu mal ein Vorwort für irgendein Buch oder eine Zeitschrift. Ein- bis Zweimal im Jahr habe ich dann einen öffentlichen Auftritt für die herzkranken Kinder.

Jetzt mache ich auch eine Filmreihe über die Operations-Vorbereitungen von herzkranken Kindern, die Herztransplantationen bekommen. Das ist nicht so ganz einfach, es ist ein sehr heftiger Eingriff der sehr risikoreich ist. Da muss man sowohl die Eltern als auch die Kinder drauf vorbereiten. Da mach ich jetzt ein paar Filme, die so ein bisschen die Angst nehmen sollen.

PresseSau.de: Bei wöchentlich über 400 Einsendungen an Fragen gab es doch sicherlich schon die einen oder anderen Fragen, die Dich selbst zum grübeln gebracht haben?

Christoph Biemann: Ja sicher. Der Bereich Religion z.B. Da weiß man nicht viel, was man darauf sagen kann (lacht).

PresseSau.de: Das kann man ja nachlesen in der Bibel ...

Christoph Biemann: ... aber auch nicht wirklich. Es gibt einfach Sachen, wo ich sage, das weiß ich nicht, keine Ahnung.

PresseSau.de: Da kommen doch aber sicherlich viele Leute auf Dich zu und sagen, der muss das doch wissen, wenn der so eine Sendung macht.

Christoph Biemann: Ja, ich hab z.B. schon mal einen Artikel geschrieben: „Wo wohnt Gott?“. Also das weiß ich nicht.

PresseSau.de: Kommen wir zum Ende dieses Interviews noch zu der Rubrik „5 kurze Fragen“. Hier werden noch einmal 5 Schlussfragen gestellt. Einfach ganz knapp antworten. Fangen wir mal an.

1. Wie kam es zu Deinem Markenzeichen, dem immergrünen Pullover?

Das ist nicht kurz zu beantworten (lacht). Ich habe mal einen Film darüber gemacht, wie ein Atomkraftwerk funktioniert. Das war eine sehr lange Drehzeit und damit ich an verschiedenen Drehtagen nicht verschiedene Sachen anhabe, die im Film kurz hintereinander kommen, hatte ich zwei Gründe Sweatshirts im Schrank. Da hab gedacht, da kann eins ja auch mal in der Wäsche sein, dass kann ja mal passieren, da habe ich immer noch das Andere. Und das ist zum Markenzeichen geworden.

2. Weißt Du noch wie damals Deine Schauspielkarriere bei der Maus begann und was Du da genau machen musstest?

Das fing an mit dem Film „10 Arten über einen Fluss zu kommen“. Ich musste also neunmal im Fluss landen und das wollte ich keinem Schauspieler zumuten. Da habe ich es selber gemacht.

3. Was erwartet Uns in der nächsten Zeit an Themen in der Sendung mit der Maus?

Ja, wir haben ja die Maus-Aktion „Frag doch mal“ gemacht, die ist gerade zuende gegangen. Es sind 75955 Fragen gekommen, da werden wir uns dran setzen, die zu beantworten. Im Moment in der Produktion ist „Warum ist Milch immer weiß?“, „Warum ist ein Regenboden rund?“, „Warum ist es auf dem Berg kälter als im Tal?“.

4. Was hast Du für Ziele und Träume für die Zukunft?
(Grübelt) Einfach für die Maus weiterzuarbeiten und Spaß daran haben.

5. Was macht Deinen Beruf zu etwas besonderen?

Die Gefahr. Ich bin letzte Woche beim drehen vom Fahrrad gestürzt und hab mir das Schlüsselbein gebrochen. Dann merkt man ja, dass der Körper noch da ist und auch wehtun kann.

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